Review: The Inauguration of Organized Political Warfare

Inauguration of Organized Political WarfareReviewed by: Jost Dülffer, Köln
Neue Historiche Literatur / Buchbesprechungen 19.–21.

Katalin Kádár Lynn (Ed.),
The Inauguration of Organized Political Warfare.
Cold War Organizations Sponsored by the National Committee for a Free Europe / Free Europe Committee
Saint Helena, CA, Helena History Press 2013.
603 S., €70,–. // doi 10.1515/hzhz-2015-0540

Wer das „Free Europe Committee” (FEC, das zeitweise „National Committee for a Free Europe” hieß) nicht kennt, könnte bei dem Titel annehmen, die Publikation des Buches sei von einem heutigen Komitee dieses Namens gesponsert worden; jedenfalls legt das der Argumentationsstil vieler Autoren des Bandes nahe, der nachdrücklich von der Dichotomie Freiheit vs. kommunistischer Totalitarismus bestimmt ist. Das FEC war jedoch ein von 1949 bis 1971 existierender Zusammenschluss vor allem ostmitteleuropäischer Exilorganisationen in den USA. Der Haupttitel des Buches ist der auf George Kennan zuröckgehenden Direktive des US National Security Council (NSC10/2) von 1948 entnommen, mit dem die CIA ermächtigt wurde, eine größtenteils offene Organisation zu errichten (und zu finanzieren), die dann mit beträchtlichen geheimdienstlichen Mitteln unterstützt wurde. Die Leitung sollte jedoch unabhängig erscheinen und stellte sich tatsächlich bald als Who is who renommierter US-Politiker, Wissenschaftler und ebensolcher Vertreter der osteuropäischen Exilstaaten dar. Die sichtbare — und bereits gut untersuchte — Spitze wurden Radio Free Europe sowie Radio Liberty, aber die CIA finanzierte eine Fülle weiterer weltweiter Aktivitäten von Exilpolitikern der Staaten, suchte aber das FEC immer als zivilgesellschaftliche Institution erscheinen zu lassen, was auch finanziell zu einem gewissen Maße gelang. Von der Carnegie-Stiftung bis Time Magazine waren (fast) alle dabei.

Das FEC selbst beschäftigte zunächst mehrere Tausend Menschen. Die US-Unterstützung und die FEC-Politiker zielten bis zum Ungarn-Aufstand 1956 auf die unmittelbare Befreiung vom Kommunismus, die dann nicht erfolgte. Danach machte sich in US-Regierungskreisen Skepsis breit, wechselnde Phasen von Detente folgten, bis die direkte US-Unterstützung 1971 ganz eingestellt wurde. Auch das FEC musste nach 1956 die Hoffnung auf baldige Befreiung aufgeben und sich weitgehend auf Netzwerkarbeit beschränken. Die je nationalen Exilorganisationen werden in insgesamt elf, zum Teil recht langen Essays untersucht. Das geht über die Komitees der Tschechen, Balten, Rumänen, Bulgaren, Ungarn (mehrere Beiträge), Polen, behandelt das bis 1958 existierende „Collège de l’Europe libre” in Straßburg (und einen Partner in New York). Eine „Assembly of Captive European Nations” (ACEN) entstand 1954 von dem FEC gesponsert nach dem Modell der UN-Vollversammlung. Instruktiv ist eine kleine Fallstudie, wie ACEN gegenüber dem UN-Gebäude in New York Werbung gegen sowjetische Teilnehmer an der Vollversammlung machte. Bemerkenswerterweise behinderten die USA die Bildung solcher Organisationen für die Sowjetunion und ihre Republiken.

Der CIA-Ursprung und die entsprechenden Ziele werden deutlich nur in der Einleitung von Kádár Lynn angesprochen. Es hat den Anschein, als ob wir noch längst nicht alles über die versuchte und nur partiell geglückte Instrumentalisierung wüssten. Die Länderessays sind innovativ und quellengesättigt gearbeitet, verdeutlichen neben dem – je ohne Distanz behaupteten – Kampf für Demokratie oft auch die Querelen etwa zwischen etabliertem Exil und neuen Flüchtlingen aus Osteuropa, vor allem aber die zahlreichen Versuche, in den USA, auch über die UN und in fast allen Teilen der Welt die nationalen Anliegen der Exilierten nuanciert vorzustellen. Die meisten dieser Organisationen gingen kurz nach dem Entzug der US-Unterstützung ein.

Bei allem Lob für innovative Forschungen vermisst man manche Kontextualisierung. Nur Spurenelemente übergreifender Forschung zum Kalten Krieg sind zur Kenntnis genommen worden. Einiges berührt auch deutsche Themen. Die Gründung des „Kongresses für kulturelle Freiheit” in Berlin 1950 wird ein paarmal als Schlüsselereignis erwähnt – keine Kontexualisierung, ebenso wenig zu den Exil- Bulgaren, die in Germersheim ein Zentrum hatten, oder zu mehreren anderen Organisationen, die von der CDU oder den „Nouvelles Equipes Internationales” unterstützt wurden. Es bleibt somit ein zwiespältiges Urteil: bisher kaum bekannte Sachverhalte, aber mit einem Tunnelblick, der zu wenig über die Quellen hinausweist.

 

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